Freitag, 15. Februar 2013

Indien / Jodhpur 08.11.-13.11.2012 und Delhi 14.11.-17.11.2012


Die Zeit in Indien beginnt langsam zu drängen, denn wir haben noch etwa eine Woche von unserem 30 Tage Visa übrig. Wir möchten noch gerne in die Wüste zum Kamelreiten und so nehmen wir den Lokalbus nach Jaipur, von wo aus wir mit mit dem Nachtzug nach Jaisalmer zu fahren planen. Als wir in Jaipur am Busbahnhof ankommen, haben wir den üblichen Stress mit den Schleppern. Sie können einfach nicht verstehen, dass wir wirklich kein Hotel brauchen.......
Wir kämpfen uns durch die Menschenmassen und suchen den Bahnhof. Nach einer Stunde anstehen am Touristenticketschalter erfahren wir, dass es in den nächsten Tagen aussichtslos ist ein Bahnticket nach Jaisalmer zu erhalten aufgrund eines indischen Festes. Busse hingegen seien kein Problem. Zurück am Busbahnhof kaufen wir uns ein Touristenklasse Sleeper Busticket für den doppelten Preis einer Bahnfahrkarte und sind glücklich nach ca. 6 Stunden warten um ein Uhr nachts von diesem Moloch eines Bushahnhofes wegzukommen. Nach einem Willkommensgetränk im Bus schlafen wir schön ein und erwachen am nächsten Morgen um 6 Uhr beim Zwischenhalt in Jodhpur, wo praktisch alle Buspassagiere den Bus verlassen. Auch wir steigen aus um uns die Beine zu vertreten. Sofort stellen wir fest, dass mit unserem Handgepäck etwas nicht stimmen kann. Beim genaueren Nachsehen ist lediglich noch die leere Tragtasche unserer neuen Fotokamera im Rucksack und Rolf's Iphone ebenfalls verschwunden. Der Busbegleiter will uns nicht verstehen und uns nicht helfen. Die Polizeiwache am Busbahnhof befindet sich noch im Schlaf. Neben dem Polizeibüro liegen 2 Männer am Boden. Nach unserem mehrmaligen Rufen, tritt ein Mann im Unterhemd, Boxershorts und festgeklemmten Schnurrbart aus dem Hinterteil dieses Raumes. Er ähnelt eher einem Zirkusdirektor vergangener Zeiten als einem Polizisten. Nun als dieser endlich mal unser Problem versteht, lässt er uns verstehen , dass dies nur eine Aussenstelle der Polizei ist und wir uns mit diesem Fall an die Hauptwache in der Stadt wenden müssen.
So stranden wir in Jodhpur, wo wir auf die Hauptwache der Polizei gehen um den Diebstahl zu melden. Noch immer haben wir Hoffnung, dass uns geholfen wird und wir eventuell die Kamera wieder bekommen. Diese Hoffnung verflüchtigt gänzlich sich in den nächsten Minuten....
Die Hauptwache sieht nicht viel anders aus als die Aussenstelle. Mehreren Polizisten erläutern wir unser Problem und werden gebeten den Diebstahl selber niederzuschreiben. Darauf rufen Sie den Kommandanten um diesen äusserst komplexen Fall aufs genaueste zu bearbeiten. Dieser erscheint sich noch den Schlaf aus den Augen reibend ebenfalls im Unterhemd und lässt sich erst mal einen Kaffee bringen. Stirnerunzelnd liest er den englischen Text und meint, dass wir anstelle von gestohlen verloren schreiben müssen. Aber wir haben unsere Gegenstände nicht verloren sondern sie wurden uns gestohlen! Der Polizeikommandant will es einfach nicht begreifen. Ein Polizist mischt sich in die angeheizte Diskussion und erklärt, dass in Indien gestohlen und verloren dasselbe bedeutet. Der Kommandant zeigt uns einen rieeeesigen Stapel Meldungen von verlorenen Gegenständen von Touristen und weigert sich unseren Text mit den gestohlenen Gegenständen zu unterschreiben. Wir weigern uns den Text auf verloren zu ändern. So schreibt er selber seinen Wunschtext auf Hindi, welchen wir hingegen unterschreiben müssen. Enttäuscht, genervt und wütend verlassen wir die Freiluft-Polizeiwache.
Uns wird beim weiteren Aufenthalt in der Stadt auch klar, weshalb gestohlen gleich verloren bedeutet: Verlorene und wiedergefundene Gegenstände zu verkaufen ist nicht illegal und somit hat die Polizei ihre Pflicht getan und kann weiterhin im Unterhemd Kaffee trinken.
So wollen wir die Sache aber nicht auf uns sitzen lassen, denn auch wir brauchen eine unterschriebene Version auf Englisch für die Versicherung (Mittlerweile ist uns klar, unsere Geräte nicht wieder zu sehen). Wir gehen am nächsten Tag erneut zur Polizeiwache. Dort sehen wir den Hauptkommandanten wieder. Diesmal hat er wenigstens schon seine Uniform mit den zahlreichen Sternen auf der Schulter montiert und schickt uns nach draussen zu seinem Kollegen. Dieser dreht und wendet den Bericht in der Hand herum, guckt uns an, wartet, liest den Bericht erneut, guckt, unterhält sich eine viertelstunde mit jemand anderem, wartet, sieht uns an, lässt sich einen Kaffee bringen, den er mit dem Finger umrührt, mit welchem er gerade zuvor in der Nase herumgebohrt hat, steht auf und spuckt vor meinen Füssen seinen Naseninhalt auf den Boden, setzt sich wieder hin und sieht uns erneut über seinen Brillenrand an, sieben weitere Polizisten stehen plötzlich um uns herum wobei einer uns erklärt, weshalb Inder die Weissen hassen. Darauf werden wir gefragt wie wir Indien finden. Zum Glück behält Rolf die Nerven und holt zur Lobeshymmne aus, ja es wird schon fast kitschig aber es bewährt sich. Ungefähr 10 Minuten nach Rolf's Lobesgesang über Indien erhalten wir endlich kostenlos!!! die gewünschte Unterschrift. Verkäufer sei Dank!
Im Nachhinein würden wir nicht mehr zur indischen Polizei gehen, denn wir sind uns nicht ganz sicher ob ebenfalls der Begriff Polizei in Indien eine andere Bedeutung hat.
Die nächsten Tage ist unsere Stimmung gedrückt. So dreist bestohlen zu werden hinterlässt kein gutes Gefühl. Zudem schmerzt der Verlust von 600 Fotos die wir nicht heruntergeladen und gesichtert haben.
Wir bleiben noch einige Tage in Jodhpur um die Wunden zu lecken und reisen dann auf dem kürzesten Weg nach Delhi, von wo aus wir am 17.11.2012 nach Nepal fliegen.
Unser Fazit:
Indien ist faszinierend, schillernd, farbig und wunderschön. Gleichzeitig kann Indien erschreckend, hart, abstossend und nerventötend sein. Je nach dem, in welcher Verfassung wir uns in den Tag begeben, so tritt uns Indien entgegen und hält uns den Spiegel vor, was nicht immer angenehm ist.
Indien ist die Neuentdeckung auf unserer bisherigen Reise. Wir lieben es!